Feilschen um den höchsten Zuschuss

17.06.16 | Prenzlau

Überraschung im Kreistag: Gegenseitig haben sich die Fraktionen überboten, um den Musikern des Preußischen Kammerorchesters mehr Geld zu geben. Es gab sogar Streit darüber. Ab sofort erhält die zuständige Kulturagentur einen jährlich wachsenden Zuschuss.
Zwölf Jahre ohne Lohnerhöhung - und sie spielen immer noch: Das Preußische Kammerorchester bekommt künftig einen jährlich um ein Prozent steigenden Zuschuss aus der Kreiskasse. Der Vertrag gilt vorerst für fünf Jahre.

Eine größere Verwunderung hätte das uckermärkische Parlament bei den Musikern des Kammerorchesters gar nicht hervorrufen können: Nach jahrelanger Sparpolitik und ständiger Angst der Preußen um öffentliche Zuschüsse überboten sich nun die Kreistagsparteien plötzlich gegenseitig bei den Finanzzuschlägen. Wer über Jahre die Diskussion für die sogenannten freiwilligen Aufgaben verfolgt hat, dem mussten jetzt vor lauter Staunen über den Sinneswandel die Augen hervortreten.

Auslöser war der Ende Juli auslaufende Vertrag des Landkreises mit den Preußen. Der sicherte dem Ensemble jährlich 500 000 Euro, wofür die Musiker zahlreiche Veranstaltungen - auch an Schulen - zu absolvieren hatten. Um ihnen nach zwölf Jahren endlich auch eine Gehaltserhöhung zukommen zu lassen, legte der Landkreis - ähnlich wie bei den Uckermärkischen Bühnen - einen neuen Vertrag vor. Und zwar mit einem dynamisierten Zuschuss. Jährlich sollte der Betrag um ein Prozent steigen.

Der Kulturagentur als Träger des Orchesters war aber ein ganz anderer Passus viel wichtiger: Der Kreis verlängerte die neue Vertragslaufzeit nun auf fünf Jahre. Für die Preußen eine Zukunftsgarantie über die vermeintliche Kreisgebietsreform hinweg.

Doch dann kam das Bündnis aus SPD, Linken und FDP plötzlich mit einer neuen Idee: Die Parteien wollten den Grundbetrag gleich um 5000 Euro aufstocken und dann noch die Dynamisierung draufsetzen.

Das war der CDU aber immer noch zu wenig. Deren Fraktion schlug vor, jedes Jahr gleich 600 000 Euro zu zahlen. Und zwar bis zum Ende der Vertragslaufzeit. Man wolle damit verhindern, dass aufgrund der schlechten Gehälter die Musiker abwandern, begründete Fraktionschef Wolfgang Banditt die Forderung.

Da musste der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Bretsch schlucken. Man habe auch noch andere Aufgaben und ebenso den Kreishaushalt im Blick. Er verwies auf die 2004 beschlossene Privatisierung des Orchesters, wodurch der Landkreis jährlich 600 000 Euro eingespart hat.

Dafür erntete er von Hans-Otto Gerlach (CDU) den Vorwurf einer "rein kommerziellen Haltung der Sozialdemokraten". Fraktionskollege Henryk Wichmann beteuerte, dass der frühere Beschluss nicht in Stein gemeißelt sein müsse. Ohne Zuschuss könne kein Orchester leben.

Den 180-Grad-Stimmungswechsel in der Behandlung von Kulturausgaben fasste Axel Krumrey von den Linken zusammen: "Ich freue mich, dass wir wetteifern, wessen Liebe zu dem Preußischen Kammerorchester größer ist." Doch auch seine Fraktion müsse den Haushalt des Kreises im Blick behalten. So bekommt das Orchester nun ab 2017 genau 505 000 Euro als Grundbetrag, der sich jährlich um ein Prozent erhöht. Die Vertragslaufzeit wird auf Jahre verlängert.

Seine Verwunderung über das so eindeutige Bekenntnis zu seinen Musikern stand dem im Publikum sitzenden Chef der Kulturagentur ins Gesicht geschrieben. "Wir freuen uns riesig, dass sich am Ende alle hinter den Beschluss gestellt haben", so Jürgen Bischof. "Wir konnten mit einer längeren Vertragszeit das erreichen, was ich immer wollte." Ohne den Beschluss zur Vertragsverlängerung hätte er die Kündigungen für die Musiker schreiben müssen.

Quelle: Dieser Artikel erschien in der Märkischen Oderzeitung.

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