Tusch und Dank der Feuerwehr

30.05.2016 | Gransee

Mit einer kurzen Schrecksekunde begann am Sonnabend der große Festumzug zu Ehren der Granseer Feuerwehr. Ausgerechnet das Prunkstück der Garde blieb wegen eines technischen Defekts liegen: an der historischen Feuerwehrspritze war kurz vor dem Abmarsch eine Deichsel gebrochen. Die Kutschfahrt musste abgesagt werden und die Ehrenbesatzung, darunter Feuerwehr-Urgestein

Heinz Zander, auf eine motorisierte Variante umsatteln. Aber wer wie die Löschgruppe der Stadt 125 Jahre überstanden hat, der lässt sich von einem solchen Malheur nicht aus dem Konzept bringen. Und so bekamen die Granseer, die vor ihren Häusern Spalier standen, einen imposanten Feuerwehrzug zu sehen, der sich von der Wache durch die Innenstadt direkt zum neuen Festplatz an der B 96 zog. Alles, was sich an Feuerwehrtechnik fahren, rollen, tragen oder schieben lässt, hatten die Kameraden nebst einer roten Armada auf die Straße gebracht. Amtsdirektor Frank Stege und Verwaltungsmitarbeiter Wolfgang Schwericke moderierten an der Tribüne die einzelnen Szenen, die die reiche Geschichte der Brandbekämpfung abbildeten. „Der Tusch ist für euch, Kameraden“, rief Löschgruppenführer Uwe Valentin wenig später seinen Kollegen von der Festbühne zu und setzte die Serie der Überraschungen fort, die am Vorabend im Festzelt ihren Anfang genommen hatte. Eine davon traf Revierpolizist ThomasSchröder völlig unvorbereitet. Weil der stets zur Stelle ist, wenn die Feuerwehr ihn zur Hilfe ruft, wurde ihm ein goldener Feuerwehrhelm verliehen. Eine goldene Sauerstoffflasche wurde Tobias Gädicke überreicht. Der gebürtige Granseer, der über die Jugendwehr alle Stationen der Ausbildung durchlief, wartet für sein Team die Atemschutztechnik – „und sorgt dafür, dass wir im Einsatz sicher sind“, betonte Valentin. Der Bundestagsabgeordnete Uwe Feiler (CDU) und sein Parteikollege im Landtag Henryk Wichmann brachten als Geschenk „Brandlöscher“ mit. Damit die Kameraden das Bier und ihren Geburtstag auch in Ruhe genießen konnten, wurde innerhalb der Alarm- und Ausrückordnung eine Vertretung organisiert. Im Falle eines Falles wären die Menzer eingesprungen. Die Drehleiter der Granseer war wie der gesamte Fuhrpark ohnehin im Publikumseinsatz. Rund um das Jubiläum hatte die Stadt ein Kinder- und Familienfest organisiert. Das war gut besucht.

Vor allem am Sonnabend tobten die Zwerge zwischen den vielen Aktionsständen hin und her. Zwei Abendkonzerte wurden bei freiem Eintritt geboten. Konnten am Freitag die Abba-Fans mitsingen, übernahm am Sonnabend eine Rolling-Stones-Coverband. Bereits am Freitagabend wechselten im Festzelt Schulterstücke, Pickel, Urkunden oder Blumensträuße die Besitzer: Die Jahreshauptversammlung der Amtsfeuerwehr, die aus Anlass des 125. Geburtstages vom Februar auf den Mai verlegt worden war, war zugleich ein Beförderungs- und Ehrungsmarathon. Aus Zivilisten wurden Feuerwehrleute, aus Löschmeistern Oberlöschmeister und aus Hauptlöschmeistern Oberbrandmeister. Und dann kamen noch die runden Jahreszahlen für treue Dienste dazu (siehe Übersicht). Das war der Dank für langjährige aufopferungsvolle und qualifizierte Arbeit. „Wir haben hier einen guten Ausbildungsstand und sind technisch gut ausgestattet“, sagte Amtsdirektor Frank Stege. Er lobte auch die ausgezeichnete Nachwuchsarbeit. Dem pflichtete Ingo Utesch, stellvertretender Amtsausschussvorsitzender, bei: „Die Feuerwehr ist ein Fels in der Brandung. Die Weichen für eine gute Entwicklung sind gestellt.“ Amtswehrführer Andreas Pahlow nutzte die Gelegenheit, den Partnern der Kameraden zu danken, die die Feuerwehrarbeit unterstützten. Denn die Kameradenseien gefordert. In Zahlen: „Wir haben im vergangenen Jahr das erste Mal die 200er-Marke an Einsätzen geknackt, insgesamt wurden wir zu 219 Einsätzen gerufen.“ Darunter 42 Brände, bei denen sieben Personen gerettet wurden. Im Jahr 2016 sei die Amtsfeuerwehr, so Pahlow, in einen Fördertopf „gefallen“, zudem gebe es Geld vom Amt für ein neues Fahrzeug. Die Dannenwalder Wehr bekommt ein Tanklöschfahrzeug –das hätten sich die Kameraden redlich verdient.

Quelle: Dieser Artikel erschien in der Märkischen Allgemeinen.

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