Mehr als 1000 Protest-Unterschriften

16.03.2017 | Prenzlau

Mit einer Demonstration vor dem Kreistags-Gebäude in Prenzlau haben rund 40 Bürger aus Lychen und Umgebung am Mittwoch gegen die jüngsten Kürzungen im Busverkehr protestiert. Anschließend kam es im Kreistag zu heftigen Wortgefechten zwischen den Fraktionen. Das Plenum musste unterbrochen werden.

 

Vize-Landrat Bernd Brandenburg (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender der kreiseigenen Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft (UVG), hatte zuvor die Reihen aufgeregter Demonstranten wortlos passiert. Die jüngsten Kürzungen im öffentlichen Personennahverkehr der Uckermark hatte er durchgesetzt und ab Dezember rund 300 000 Fahrplankilometer streichen lassen. Das hatte kreisweit zu einem Aufschrei geführt.

"Uns ist bei Einstellung der Bahnlinie versprochen worden, dass jede Stunde ein Bus nach Fürstenberg fährt", berichtet Eleonore Nafe aus Lychen. Dort befinde sich der Umsteigebahnhof von Reisenden Richtung Norden und Berlin. "Häufig sehen wir aber nur die Rücklichter des Busses und müssen dann lange auf den nächsten warten." Auch Touristen, die nach Lychen wollen, seien auf gute Verbindungen angewiesen. Hoteliers und Pensionsbetreiber befürchten ein Ausbleiben von Urlaubern.

Die Flößerstadt werde plötzlich zum Opfer ihrer Randlage, kritisiert Bürgermeisterin Karola Gundlach (parteilos) in einem offenen Brief an den Kreistag. Die Leute würden aber auch von dort in umliegende Orte fahren müssen. "Menschen funktionieren nicht wie die Verwaltungsgrenzen", so ihr Vorwurf. Sie übergab eine Liste mit mehr als 1 000 Protest-Unterschriften.

Kritik kommt auch aus Himmelpfort. Durch die Streichung eines Früh-Busses müssten seine Kinder nun nicht mehr um 6.45 Uhr zur Haltestelle, sondern schon kurz vor 6 Uhr aus dem Haus, um zur Schule zu kommen, so Vater Thomas Vogel. Dort würden sie dann vor verschlossenen Türen stehen, weil die Schule erst viel später öffne.

Abgeordnete der CDU-Kreistagsfraktion solidarisierten sich mit den Protestlern und verwiesen auf die Stimmenmehrheit von SPD, Linken und FDP, mit der die Kürzung zustande gekommen war. Sie fordern jetzt vom Landrat, den Fahrplan mit allen Amtsdirektoren und Bürgermeistern abzustimmen.

Lychens CDU-Landtagsabgeordneter Henryk Wichmann, der im Aufsichtsrat der UVG sitzt, erklärte, er werde den Nahverkehrsplan der Uckermark anfechten. Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp (parteilos) verwies auf die Notwendigkeit eines intakten ÖPNV auch für Gäste der Region im Sommer. Man könne den Nahverkehr nicht nur nach der Wirtschaftlichkeit bemessen, es gehe vielmehr um touristische Attraktivität.
 

Quelle: Dieser Artikel erschien in der Märkischen Oderzeitung.

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