Wasserwerk-Projekt vor der Entscheidung

23.02.2017 | Gransee

Gebaut werden muss das neue Wasserwerk. Darüber herrscht Einigkeit. Strittig ist der Entwurf - zu blau, zu nah am Geronsee. Jetzt schaltet sich der Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann (CDU) ein. Er will sich in Potsdam für die finanzielle Förderung des 1,7 Millionen Euro teuren Baus einsetzen. Allerdings nicht ohne Baugenehmigung.
Nahe der B 96 nach Fürstenberg wird das neue Wasserwerk entstehen. Über die Funktionalität lasse sich nicht streiten, über die Gestaltung aber jederzeit reden. Mehrere Varianten hat der TAV in der Amtsverwaltung vorgelegt.

Deshalb lud Wichmann am Mittwoch alle Beteiligten ein. Amtsdirektor Frank Stege wohnte dem Gespräch nicht bei, da es seiner Ansicht nach nur um Fördermittel ginge. Die strittige Gestaltung werde morgen Vormittag in der Amtsverwaltung ein weiteres Mal besprochen. Dann hoffen alle Beteiligten, sich einig zu werden. Man sei mit dem Projekt überfahren worden, sagte Stege, Amtsdirektor und so auch Mitglied der Verbandsversammlung, noch einmal auf Nachfrage. Im Januar 2016 sei der Beschluss für den Neubau des Wasserwerkes gefallen, aber erst im Herbst sei auch die Kommune einbezogen worden, die die Gestaltungshoheit hat.

Die Verantwortlichen beim TAV haben eine andere Sicht. Vor 30 Jahren habe man sich für das Bohren von Brunnen zwischen Geronsee und B 96 entschieden, weil dort das beste Wasser vorhanden sei. Vor allem betont man beim TAV, dass seit Jahren ein Flächennutzungsplan für das Areal existiert. Die Fläche, auf der nun Wasseraufbereitungsgebäude, Sozialtrakt und Technikräume neu gebaut werden sollen, ist darin für eben diesen Zweck vorgesehen. Von "plötzlich und unerwartet" könne nicht die Rede sein, sagte Wassermeister Axel Gutschmidt im Gespräch mit Henryk Wichmann.

Der zeigte sich am Mittwoch optimistisch, dass eine Einigung gefunden werde. Er wolle sich keinesfalls in kommunalpolitische Belange einmischen, aber das Gespräch mit Frank Stege suchen und vermitteln. "Ich bin sicher, dass offene Fragen geklärt werden können, Streit ist unnötig." Die entsprechende Fördermittelrichtlinie sei jetzt da. Also müsse sichergestellt werden, dass die Region auch in den Genuss der Finanzen komme, sagte Wichmann.

Da auch das Gesundheitsamt des Landkreises die Versorgung mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser in Gefahr sieht, sollte es zu einer großen Havarie kommen, könnte eine Baugenehmigung auch ohne Einvernehmen der Kommune erteilt werden.

Der stellvertretende Verbandsvorsteher Andreas Ott erklärte, die Gestaltung des Neubaus soll in enger Absprache mit der Kommune erfolgen. Der TAV hat neue Konzepte im Amt vorgelegt, die zurückhaltende Farben enthalten oder auch Graffiti, die sich in die Natur einfügen. Entschieden werden könne dies auch in den kommenden Wochen noch. Die Baugenehmigung solle aber nicht von der Fassadengestaltung abhängig gemacht werden, hieß es am Mittwoch.

Eine Luftaufnahme Gransees, Bilder aus der Altstadt - das waren Ideen, die Henryk Wichmann am Mittwoch ins Spiel brachte. Die Fassade des Wasserwerkes könne als Werbefläche fungieren. Jedenfalls dürfe die Versorgung mit Trinkwasser nicht an architektonischen Dingen scheitern.

Entscheidend sei, dass die Zahl der Haushalte und Gewerbebetriebe steigt, erläuterte Anke Freitag. Das alte Granseer Wasserwerk ist an seine Kapazitätsgrenze gestoßen. Osterne käme dazu. Der Bedarf steigt zudem mit dem geplanten Gewerbegebiet an der Templiner Straße. Mehr als 1 800 Kubikmeter Wasser täglich könne der TAV mit der alten Technik derzeit nicht liefern, so Freitag. Allein der Rauschendorfer Spargelhof benötigt 250 Kubikmeter täglich. Bis zu 600 Erntehelfer leben in der Saison zusätzlich in der Region.

Quelle: Dieser Artikel erschien in der Märkischen Oderzeitung.

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