Die CDU will es wissen

04.02.2018 | Angermünde

Die CDU will es wissen: Mit Karina Dörk soll erstmals eine Frau Uckermark-Landrätin werden. Die Bürgermeisterin von Strasburg will den amtierenden Landrat Dietmar Schulze (SPD) ablösen. Der habe sowieso keine Visionen und keine Lust mehr zum Regieren, so der Vorwurf.
Eine klare Kampfansage an die SPD wurde die Nominierungsveranstaltung der Kreis-CDU im Gut Kerkow. In ungewohnt deutlicher Form schossen sich die Christdemokraten auf den amtierenden Landrat Dietmar Schulze ein. "Wir brauchen wieder Visionen", so der CDU-Kreisvorsitzende Jens Koeppen. Ein Landrat, der vor der Altersrente stehe, könne dies nicht erfüllen. Schulze habe seine besten politischen Zeiten hinter sich und keine Lust mehr. Das sehe man in jeder Kreistagssitzung. "Wir brauchen jemanden, der neuen Schwung reinbringt."
Mit Karina Dörk will die CDU bei der bevorstehenden Wahl das ab 1993 von ihrem Parteikollegen Joachim Benthin besetzte Mandat zurückholen. Die 53-Jährige frühere Unternehmerin aus Lübbenow kennt sich aus im Kreis, war Kreistagsabgeordnete und dann Vize-Landrätin. 2015 warf die Agraringenieurin plötzlich das Handtuch und wechselte nach Mecklenburg-Vorpommern, wo sie das Bürgermeisteramt der Stadt Strasburg übernahm. Diesen Abgang begründet sie heute mit fehlender Loyalität. Während ihr direkter Vorgesetzter Dietmar Schulze die von der rot-roten Landesregierung angestrebte Kreisreform als wichtiges Projekt angesehen habe, war sie genau gegenteiliger Meinung.


In ihrem mit einem Powerpoint-Vortrag unterstützten detaillierten Vortrag über ihre Vorstellungen, den Uckermark-Kreis zu regieren, sparte auch sie nicht mit Kritik an der derzeitigen Verwaltungsspitze. So müsse sich die gesamte Stimmung unter den Beschäftigten in der Kreisverwaltung ändern, sonst würde es auch weiter keine innovativen Ideen geben. "Wir müssen hier eine andere Kultur reinbringen." Außerdem müsse der Kreis auf die Kommunen zugehen. Diese Erfahrung habe sie gerade als Bürgermeisterin gemacht.
Doch zunächst setzte sich Karina Dörk gegen ihren Kontrahenten aus den eigenen Reihen durch. Gegen Wolfgang Banditt gewann sie die Kandidaten-Nominierung mit 49 gegen 22 Stimmen. Damit bleibt er Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag. Doch auch von ihm die gleichen Töne in Richtung Verwaltungsspitze und deren Mehrheitsbeschaffer von SPD, Linken und FDP: "Die fraktionskooperierende Arbeit, die wir zurzeit haben, ist darauf gerichtet, gute Anträge der CDU zu verhindern." Stattdessen würden die Anträge inhaltlich mit fast gleichem Duktus unter dem Vorzeichen der kooperierenden Fraktionen durchgesetzt. Christdemokraten sähen sich bei eigenen Anträgen zum Beispiel zur Kreisumlage sogar bösen persönlichen Angriffen ausgesetzt, berichtete Banditt. Schwer liegt ihm immer noch im Magen, dass der Landrat alle Dezernentenposten mit SPD- und FDP-Leuten besetzt hat, obwohl die CDU eine starke Kreistagsfraktion bildet. Auch politisch seien Arbeitslosigkeit, Digitalisierungsstand und Wirtschaftsförderung nicht zufriedenstellend, beim Nahverkehr gebe es Nachholebedarf.
Am 22. April will Karina Dörk nun ihren früheren Chef aus dem Amt werfen. Weil aber immer wieder in Brandenburg die Direktwahl durch den Bürger an der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestzahl von 15 Prozent der Wahlberechtigten scheitert, die der Sieger auf sich vereinen muss, verlangt Jens Koeppen nun die Abschaffung des Quorums. Er verteidigt die Wahl durch den Bürger.

Quelle: dieser Artikel erschien in der Märkischen Oderzeitung.

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