Presse 2011

Finanz-Streit bei Tagesmüttern

26.07.2011 | www.moz.de

Wir sind mindestens schon einmal abgebrannt“, sagt Ulrike Werner vom Verein uckermärkischer Tagesmütter. Das ist natürlich nur sprichwörtlich gemeint. So umschreibt sie – stellvertretend für 35 Tagespflegestellen im Landkreis – die Situation in den Einrichtungen. Wer jahrelang vor allem Kleinkinder betreut hat, muss irgendwann auch Spielsachen aussondern, neue Tische und Stühlchen beschaffen, renovieren und neue Sanitäranlagen einrichten. Das kostet Geld. Doch von den monatlichen Überweisungen des Jugendamtes kann keine Tagesmutter größere Investitionen bezahlen.

Inzwischen liegt eine lange Liste von Wünschen vor. Darin haben die Pflegestellen verzeichnet, was sie am nötigsten brauchen. 112 000 Euro beträgt die Gesamtsumme. Der Verein hat sich damit an den Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses gewandt, weil die Tagesmütter bei der Vergabe von Fördermitteln des Bundes einfach übergangen wurden (MOZ berichtete).

Ausschussvorsitzender Henryk Wichmann (CDU) spricht von „Missverständnissen über die Antragstellung“. Das Jugendamt hatte versäumt, einen Sammelantrag zu stellen. Frank Fillbrunn (FDP), Beigeordneter des Landrates, nahm sich der Sache sofort an. Er besuchte die Kindereinrichtung von Ulrike Werner, um sich ein Bild zu machen. Inzwischen zeichne sich eine Lösung, so Henryk Wichmann nach dem Gespräch in Templin. „Die Kommunikation über die Förderbedingungen ist nicht optimal gelaufen, wird aber für die Zukunft deutlich verbessert werden“, so Wichmann. „Das die Tagesmütter von falschen Annahmen zur Förderfähigkeit ihrer Anträge ausgegangen waren, hatten sie diese nicht im Jugendamt eingereicht.“ Dadurch konnte der Jugendhilfeausschuss auch keine Entscheidung treffen.

Bis zur Oktobersitzung soll das Jugendamt alle Anträge prüfen. Aus frei werdenden Mitteln einer vermutlich nicht umgebauten Kita in Prenzlau könnten dann Gelder für die Betreuung der Kleinkinder in den 35 Tagespflegestellen des Kreise eingesetzt werden. „Wir sind froh, dass auch wir jetzt Gelder für die Ausstattung erhalten“, so die Reaktion von Ulrike Werner. „Der finanzielle Zuschuss ist dringend notwendig.“

Auf politischem Wege wollen sich die Tagesmütter jedoch weiteres Gehör verschaffen. Denn grundsätzlich ist ihr Einkommen so niedrig angesetzt, dass Gefahr für die von ihnen gestellten insgesamt 160 Plätze besteht. Im Vergleich zu fest angestellten Kita-Betreuern erhalten sie nur einen Bruchteil. „Dabei sind hier in der Uckermark die vom Jugendamt geforderten Qualitätsstandards am höchsten“, argumentiert Ulrike Werner. „Wenn das verlangt wird, müssen wir auch höhere Beträge bekommen.“

Ausschussvorsitzender Henryk Wichmann will sich jetzt darum kümmern. Gleichzeitig weist er die Kritik seines Stellvertreters Torsten Krause (Die Linke) zurück. Der hatte die Kompetenz von Wichmann im Zusammenhang mit der Fördermittelvergabe in Frage gestellt.


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