Presse 2011

Ortsvorsteher will mit Elan vorangehen

14.03.2011 | Haßleben - Uckermark Kurier - Templiner Zeitung von Sigrid Werner

Als nach der letzten Kommunalwahl Timo Mende und Cornelia Schlewitt aus Haßleben mit gleicher Stimmenzahl den größten Zuspruch aus der Bevölkerung für die Mitarbeit im Ortsbeirat von Haßleben bekamen, da ließen sie ihrer Mitbewerberin Karola Wöhner dennoch den Vortritt.

Nicht zuletzt weil beide in Feuerwehr und Vereinen auch so schon genügend ehrenamtliche Verantwortung trugen. Doch die Stagnation in der Entwicklung Haßlebens in der jüngsten Zeit veranlasste die beiden, sich jetzt doch mehr einbringen zu wollen. Denn Haßleben habe es verdient, sagen beide überzeugt. Und so erfolgte im Ortsbeirat im Einvernehmen mit der bisherigen Ortsvorsteherin auch die Neuwahl, der Uckermark Kurier berichtete. "Timo Mende ist noch jung und voller Tatenkraft", freut sich Gemeindevertreterin Cornelia Schlewitt über den Coup, neben ihrer Person und Gemeindevertreterin Karola Wöhner nunmehr drei Haßlebener mit Rederecht im Gemeindeparlament vertreten zu wissen. "Wir müssen uns einfach mehr Gehör verschaffen", sagt die CDU-Politikerin, die gleichfalls Mitarbeiterin in der CDU-Geschäftsstelle des Kreisverbandes ist und zu Beginn des Jahres in Timo Mende ein neues Mitglied werben konnte.

"Ich war eigentlich nie in irgendeiner Partei", sagt Mende, der seit 1995 offiziell Ortswehrführer von Haßleben ist. Doch seine Bindung zur Kirche und die Gespräche mit den CDU-Bundestags- und Landtagsabgeordneten Jens Koeppen und Henryk Wichmann hätten ihn darin bestätigt: "Das sind Leute, mit denen du reden kannst", habe er gemerkt. Leute, die Probleme von der praktischen Seite angehen, wie Timo Mende glaubt. Und so einer sei er selbst. Nicht gleich nach Geld betteln und rumjammern oder gleich verzagen, wenn etwas nicht klappt, sondern dann eben nach anderen Wegen suchen. Unkonventionell und im direkten Gespräch mit den Menschen.

Das fällt dem gelernten Fleischer und Landwirt Timo Mende leicht. Er ist in Haßleben aufgewachsen. Dort stehen seine Pferde und Kühe auf der Weide. Wenn die Rede von seinen Mutterkühen ist, spricht er von Hobby. In Haßleben geht er zur Jagd. "In Haßleben habe ich alles, was ich zum Leben brauche." Schon sein Großvater war in Haßleben ein erfahrener Landwirt und geachtetes Mitglied in der Kirchengemeinde. Er hat Timo in Vielem geprägt. Mende kennt als Vertreter der Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH heute fast jeden Bauern und Landwirtschaftsbetrieb in der Gegend. Gerade 37 Jahre alt geworden, ist er im besten Alter, kennt keine Scheu, andere anzusprechen und anzuheuern, wenn es um sein Dorf geht. Er kommt zur Hintertür wieder rein, wenn er vorn hinausgeschickt wurde. Das kann ihm vermutlich auch kaum einer verübeln. Schließlich lässt er sich selbst nicht lumpen, wirft seit Jahren seinen eigenen Traktor an, wenn das Holz zum Lagerfeuer beim Dorffest oder zum Osterfeuer gefahren werden soll. Jüngst hat er den Draht zur Kirchengemeinde neu geknüpft, mit Feuerwehrkame raden und freiwilligen Helfern sich der Weihnachtsbaumtanne und der alten Maulbeerbäume erbarmt, beim Cousin eine Hebebühne organisiert, die Bäume eingeschnitten, ausgeästet und abtransportiert.

"Was das Dorfbild anbelangt, da gibt es für mich keine Grenze zwischen Kirchen- und politischer Gemeinde", sagt imo Mende. "Unser Dorfzentrum ist doch der Eingang zum Boitzenburger Land", betont er. Und das müsse einladend sein. Wer nach Boitzenburg wolle, ob von der Autobahn kommend oder aus beiden Richtungen von der B 109, der passiere diesen Knotenpunkt. "Unsere Busverbindung ist immer noch viel besser als anderswo", wirbt er für sein Dorf. Und tatsächlich, manche, die Haßleben nur auf die Industriebrache des ehemaligen Industriellen Mastkombinates (KIM) und die leer stehenden Betriebswohnungen reduzieren, übersehen, dass das landwirtschaftlich geprägte Dorf mit Nähe zu Feld, Wald und See durchaus seine Reize hat. Das hätten inzwischen auch andere erkannt. Gerade sei für die letzte leer stehende Immobilie ein Käufer gefunden worden, es habe Zuzüge gegeben. Da lohne es sich wieder, die Haßlebener mobil zu machen, für Arbeitseinsätze oder um dem Dorf- und Sportfest neue Impulse zu geben, die Wohnungsverwaltung für die gemeindeeigenen Wohnungen neu zu fordern... An Timo Mendes Elan soll es nicht liegen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser andere genauso ansteckt.

 

Der Artikel erschien im Uckermark Kurier in der Lokalausgabe der Templner Zeitung vom 14.03.2011. Verfasser ist Sigrig Werner.


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