Presse 2011

Stellungnahme der Landesregierung

05.12.2011 | Uckermark Kurier

Antwort der Potsdamer Landesregierung auf die Kleine Anfrage 1624 des Landtagsabgeordneten Henryk Wichmann CDU-Fraktion

Landtagsdrucksache 5/4136
Wortlauf der Kleinen Anfrage 1624 vom 13.10.2011
Überhöhte Herbizid-Werte im Boitzenburger Land

Laut Presseberichten wurden in einem Teich inmitten eines Maisfeldes im Boitzenburger Land im Landkreis Uckermark verstärkt Pflanzenschutzmittel nachgewiesen, die sich in dem Gewässer sammeln. Dabei würden auch die Grenzwerte für Trink- und Grundwasser um das bis zu 120-fache überschritten. Des Weiteren wurde durch ein Gutachten der seit elf Jahren verbotene Stoff Simazin nachgewiesen.

Ich frage die Landesregierung:
1. Welche chemischen Substanzen und Stoffe wurden in dem Maisfeld sowie seiner Umgebung nachgewiesen?

2. Welche Grenzwerte für Trink- und Grundwasser wurden in welcher Höhe überschritten und seit wann werden die Grenzwerte überschritten?

3. Liegen der Landesregierung bereits Informationen darüber vor, woher der seit mehreren Jahren verbotene Stoff Simazin stammt?

4. Welche möglichen Auswirkungen haben die zum Teil stark überhöhten Werte für Trink- und Grundwasser auf die Gesundheit der Bürger sowie für die Umwelt?

5. Welche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr wird die zuständige Behörde anordnen?

Namens der Landesregierung beantwortet der Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft die Kleine Anfrage wie folgt:

Frage 1:
Welche chemischen Substanzen und Stoffe wurden in dem Maisfeld sowie seiner Umgebung nachgewiesen?

Zu Frage 1:
Durch das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF), Pflanzenschutzdienst, wurden am 15.07.2011 folgende amtliche Proben entnommen:

1. eine Wasserprobe aus dem betreffenden Soll

2 eine Bodenprobe im Maisfeld, Entfernung vom Soll = 30m

3. eine Bodenprobe im Maisfeld aus dem Randbereich des Solls (0,5m von der Böschungsoberkante entfernt)

Die Proben wurden dem Landeslabor Berlin-Brandenburg zur Untersuchung übergeben.

Ergebnisse:
Folgende Pflanzenschutzmittel(PSM)-wirkstoffe bzw. deren Abbauprodukte wurden nachgewiesen (Werte in µg/l):

1. Wasserprobe
- Desisopropylatrazin (0,14)

- Metolachlor (4,09)

- Simazin (0,05)

- Terbuthylazin (11,76)

- Desethyl-Terbuthylazin (3,50)

- Terbutryn (0,03)

- Glyphosat (0,19)

- AMPA (1,32)

2. Bodenprobe, 30 m vom Soll entfernt: (Werte in mg/kg Trockensubstanz Boden):
- Terbuthylazin (0,214)

- S-Metolachlor (0,375)

- Tembotrione (0,024)

3. In der Bodenprobe aus dem Randbereich des Solls (0,5 m) wurden keine Pflanzenschutzmittelwirkstoffe nachgewiesen. Um eine mögliche Verfrachtung der Wirkstoffe aus dem Soll in das Naturschutzgebiet Rohrbruch bzw. den Warthesee abschätzen zu können, erfolgte am 12.10.2011 die Entnahme weiterer Wasserproben aus folgenden Bereichen:
- dem Naturschutzgebiet Rohrbruch am Einlauf von der Entwässerung des Solls und am Ablauf in Richtung Warthesee,

- einem Bach (Zufluss zum Warthesee)

- und dem Warthesee (in Höhe Badestelle Egarsee). Die Analyse der Proben bestätigte eine Verfrachtung der Wirkstoffe bzw. Abbauprodukte Metolachlor, Terbuthylazin, Desethyl-Terbuthylazin und AMPA in die geprüften Gewässer. Die genannten Substanzen wurden hier in Spuren bzw. in einer Konzentration, die geringfügig oberhalb der für Trinkwasser geltenden Grenzwerte liegt, nachgewiesen.

Frage 2:
Welche Grenzwerte für Trink- und Grundwasser wurden in welcher Höhe überschritten und seit wann werden die Grenzwerte überschritten?

Zu Frage 2:
Für die Beurteilung von Trinkwasser ist in der Trinkwasserverordnung für den Parameter "Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe und Biozidprodukt-Wirkstoffe" ein Grenzwert von 0,1 µg/l festgelegt. Trinkwasser darf nur an die Verbraucher abgegeben werden, wenn der Grenzwert der Trinkwasserverordnung eingehalten ist. Eine Bewertung der o. g. Wasserprobe mit Hilfe des Grenzwertes für Trinkwasser ist nur eingeschränkt daraufhin zulässig, dass in der Wasserprobe auffällige Konzentrationen für PSM-Wirkstoffe vorliegen, die möglicherweise das Grundwasser und bei gegebener Rohwasserentnahme aus dem Grundwasser auch das Trinkwasser beeinflussen können. Gegenwärtig liegen keine auffälligen Befunde für das Trinkwasser in dieser Region vor. Die Grundwasserverordnung enthält für "Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe und Biozidprodukt-Wirkstoffe" einen Schwellenwert von 0,1 µg/l. Für Oberflächengewässer sind die Umweltqualitätsnormen gemäß der Richtlinie Nr. 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik (Europäische Wasserrahmenrichtlinie) anzuwenden. Diese sind wirkstoffspezifisch und betragen z.B. für Terbutylazin 0,5 µg/l. Es handelt sich um eine einmalige Probenahme aus Anlass einer Anzeige von Privat in dem betroffenen Soll. Deshalb können keine Aussagen dazu, wie lange die Belastung vorliegt, getroffen werden.

Frage 3
Liegen der Landesregierung bereits Informationen darüber vor, woher der seit mehreren Jahren verbotene Stoff Simazin stammt?

Zu Frage 3:
Eine mögliche Ursache des Simazinfundes ist die Anwendung von Terbuthylazinhaltigen Pflanzenschutzmitteln mit zulässigen Simazin-Verunreinigungen. Entsprechend einer Information auf der Internetseite des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit können bestimmte technische Pflanzenschutzmittelwirkstoffe herstellungsbedingte Verunreinigungen enthalten. In der Verordnung (EU) Nr. 540/2011 werden für diese Wirkstoffe mit ihrer Genehmigung Höchstgehalte für Verunreinigungen festgelegt, die toxikologisch, ökotoxikologisch oder aufgrund ihrer Umwelteigenschaften besonders unerwünscht sind. Danach ist für Terbuthylazinhaltige Wirkstoffe eine Simazinverunreinigung bis zu einem Höchstgehalt von 30 g/kg zulässig.

Frage 4
Welche möglichen Auswirkungen haben die zum Teil stark überhöhten Werte für Trink- und Grundwasser auf die Gesundheit der Bürger sowie für die Umwelt?

Zu Frage 4:
Die in der Wasserprobe gefundenen Werte lagen zum Teil in Konzentrationen vor, die einen Wert von 0,1 µg/l deutlich überschreiten. Es ist daher nicht auszuschließen, dass damit auch eine Belastung des Grundwassers einhergehen kann. Unter Berücksichtigung des Multibarrieresystems bei der Herstellung von Trinkwasser, insbesondere durch das Ausweisen von Schutzgebieten mit Anwendungsbeschränkungen bei landwirtschaftlicher Nutzung, bei Nutzung von Grundwasser nach einer genügend langen Bodenpassage für die Fassung von Rohwasser und einer sich anschließenden Aufbereitung im Wasserwerk vor Abgabe als Trinkwasser kann eingeschätzt werden, dass im vorliegenden Fall eine direkte Gesundheitsgefährdung über das Trinkwasser derzeit nicht vorliegt. Gegenwärtig liegen auch keine auffälligen Trinkwasser-Befunde für diese Region vor. Durch den Wasserversorger darf Trinkwasser nur an Verbraucher abgegeben werden, wenn es den Anforderungen gemäß der Trinkwasserverordnung entspricht. Da eine mögliche Belastung des Grundwasserkörpers erst nach einer gewissen Verweilzeit nachgewiesen werden kann, werden erst zukünftige Untersuchungen zeigen, inwiefern dann möglicherweise auch eine Belastung des Trinkwassers zu verzeichnen ist. Für die Beurteilung des Trinkwassers wird der Grenzwert von 0,1 µg/l herangezogen. Für das Trinkwasser gilt jedoch ein Minimierungsgebot, wonach Konzentrationen von chemischen Stoffen, die das Trinkwasser verunreinigen können, so niedrig gehalten werden sollen, wie dies möglich ist.

Frage 5:
Welche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr wird die zuständige Behörde anordnen?

Zu Frage 5:
Um einen weiteren Eintrag von Pflanzenschutzmitteln in den betreffenden Soll zu verhindern, wurden für den betreffenden Schlag durch die zuständige Behörde nach § 6 Abs. 1 Satz 7 Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) am 28.09.2011 folgende Maßnahmen angeordnet:

- Pfluglose Bearbeitung des Schlages (bereits jetzt praktizierte Maßnahme zur Erosionsminderung)

- Anlage eines zusätzlichen etwa 10 m breiten Grasstreifens um den Soll im Herbst 2011. Der Grasstreifen ist nach seiner Anlage nicht mehr mit schwerer Technik zu befahren - ausgenommen bei unmittelbaren Pflegemaßnahmen (z. B. Mahd / Mulchgang).

- Einsaat eines Grasstreifens in einer Drillbreite (9 m) im Bereich der Erosionsrinne auf der Nordseite des Solls (wahrscheinlich Haupteintragspfad). Für die Bewirtschaftung von Schlägen mit Söllen werden Empfehlungen mit geeigneten Maßnahmen u.a. Fruchtfolge, Anlage von Grünstreifen erarbeitet, um Abschwemmungen und einen PSM-Eintrag zu vermeiden. Um die Gewässerbelastung anderer Sölle in der Feldflur einzuschätzen, sind entsprechende Beprobungen nach vorheriger Risikoabschätzung geplant.

 


zurück
Henryk Wichmann | Alle Rechte vorbehalten