Naturschützer wollen Angler verbannen

13.02.2018 | Menz/Neuglobsow

Sanft glitzern die Sonnenstrahlen auf der Oberfläche des Wassers. Im Hintergrund der Holzbrücke, die die Grenze zwischen den Landkreisen Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin markiert, sehen die kahlen Bäume fast wie gemalt aus. Es ist windstill. Aber die Idylle am Kanal zwischen dem Stechlin- und dem Nehmitzsee trügt.

Seit längerem schwellt ein Streit zwischen drei Vereinen und den Naturschutzbehörden um den Zugang zu dem Verbindungsgewässer, das einst als Rückfluss für den Wasserkreislauf des Kernkraftwerkes Rheinsberg geschaffen wurde. Seinen bisherigen Höhepunkt fand der Konflikt am Silvestertag 2017 als die Mitglieder des Menzer und des Neuglobsower Angelvereins sowie des dortigen Heimatvereins ihrem Ärger mit einem großen Plakat am Stechlinsee-Center Luft machten. Darauf forderten sie eine freie Durchfahrt für die Angelsportler durch den Kanal und einen offenen Ökotourismus.

Genau darin sieht Anke Rudnik ein Problem. Alles, was zusätzlich das Gewässer befahre, sei eine weitere Belastung für die Pflanzen- und Tierwelt, meint die langjährige Rangerin und Gebietsleiterin der Naturwacht. Der Kanal liegt mitten im fast 8700 Hektar großen Naturschutzgebiet (NSG) Stechlin. Seit November 2002 regelt eine Verordnung den besonderen Schutz seltener Arten wie etwa dem Fischadler, dem Eisvogel oder dem Biber, aber auch des alten Buchenbestandes am Nehmitzsee. Dessen Ufer ist eines von elf Totalreservaten. Eine Durchfahrt durch den besagten Kanal ist nur mit Ausnahmegenehmigung möglich. Diese besitzen etwa die Forscher des Leibnitz-Institutes für Gewässerökologie (IGB) und der Fischer Böttcher. Ansonsten weisen Schilder auf ein Befahrungsverbot hin.

Sowohl die Angler, von denen viele Boote auf einem der beiden Seen registriert sind, als auch Rudertouristen hatten den Kanal aber noch bis 2015 ebenfalls regelmäßig genutzt. Grundlage dafür war unter anderem ein Schreiben von Naturpark-Leiter Dr. Mario Schrumpf, in dem das Sonderrecht der Fischerei noch am 20. Juli 2010 als auch für sie geltend interpretiert wurde. "Da haben wir uns alle geirrt", gibt Anke Rudnik zu. Sie erläutert, dass auf den bis dahin ausgegebenen Angelkarten auch der Gerlinsee - der mitten in dem Kanal liegt - als Fischereigewässer aufgeführt war. Da im Laufe der Jahre aber immer mehr Verstöße gegen die Verordnung festgestellt wurden und es zunehmend Beschwerden gab, habe man die Richtlinien erneut überprüft, berichtet sie. So musste auch die bis dahin fälschlicherweise den Anglern zugesagte Erlaubnis nach Rücksprache mit den Unteren Naturschutzbehörden von Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin am 4. März 2016 endgültig zurückgezogen werden.

Für Professor Dr. Rainer Koschel - ehemaliger Gewässerökologe am IGB und gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Neuglobsower Angelvereins - unverständlich. "Auch nach Änderung der Verordnung haben alle Behörden die Befahrung über zehn Jahre geduldet, dann ist den Anglern plötzlich die Pistole auf die Brust gesetzt worden", sagt er. "Der Schutz der Umwelt ist uns Anglern und mir als Ökologe sehr wichtig. Doch das restriktiv erlassene Verbot bringt uns nicht weiter, zumal die Durchfahrt zu keinen nachweisbaren, ökologischen Schäden in dem Kanal geführt hat." Schon seit Längerem setzt sich Koschel für eine weitere Ausnahmeregelung in der NSG-Verordnung ein, die den Besitzern von registrierten Booten die Durchfahrt erlaubt. "Die einmalige Natur einer solchen Fahrt zu erleben, sollte aber auch Besuchern der Gemeinde Stechlin möglich sein", findet er.
Bereits jetzt sind in der Verordnung einige Ausnahmen geregelt, etwa für eine jährliche Kanuwandertour, wie sie im vergangenen Dezember stattfand. Allerdings wurden die Sonderregeln vor Inkrafttreten der Verordnung beantragt. An die Angler, so Koschel, sei man da nicht herangetreten. Auf inzwischen gemachte Vorschläge der Anglervereine sei seitens der Behörden nicht reagiert worden. Auch ein Antrag für eine einmalige Sondergenehmigung für ein Hegefischen im Nehmitzsee im Juni 2017 wurde von der Unteren Naturschutzbehörde abgelehnt. Manchen Vereinsmitgliedern würde diese eine jährliche Ausnahme bereits genügen. Der Neuglobsower Heimatverein dagegen wünscht sich auch eine zusätzliche Erlaubnis für die Urlauber in der Region.

Die allgemeine Verärgerung kann zwar auch Anke Rudnik nachvollziehen. "Aber wir haben hier so etwas Besonderes, da sollte doch jeder froh sein, dass er hier überhaupt angeln darf", sagt sie. Jede weitere Ausnahme führe nur zu noch mehr Unmut und sei eine Gefahr für die Natur. Gerade jetzt, wo die Wasserqualität des Stechlinsees nachweislich schlechter geworden sei, weil die Nährstoffkonzentration zugenommen habe. Zudem seien die Behörden bei der Erarbeitung der Verordnung schon auf viele Bedürfnisse eingegangen, findet Anke Rudnik. Anschließend habe es eine öffentliche Auslegung gegeben. "Da hätte jeder sein Veto einlegen können", findet sie.

In den Streit um den Kanal hat sich nun auch der Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann (CDU) eingeschaltet. Für Mittwoch hat er Vertreter der betroffenen Angelvereine nach Gransee eingeladen.

Quelle: dieser Artikel erschien in der Märkischen Oderzeitung.

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